Die Kunst des Solopreneurships: Wie man mit einem schlanken Konzept erfolgreich wird
Ehrenfried Conta Gromberg gilt als einer der Pioniere des Solopreneurships im deutschsprachigen Raum. Im Interview spricht er darĂŒber, wie smarte GeschĂ€ftsmodelle funktionieren, welche Rolle die Digitalisierung spielt und warum viele SelbststĂ€ndige ihre eigene IdentitĂ€t noch nicht richtig definiert haben.
Ehrenfried, du beschÀftigst dich schon sehr lange mit dem Thema Solopreneurship. Wie bist du dazu gekommen?
Durch einen kleinen Betriebsunfall. Meine Frau Brigitte und ich waren viele Jahre klassisch selbststĂ€ndig. Anfang der 2000er wollten wir dann ein Start-up in Hamburg aufbauen und waren vier Wochen vor dem Platzen der Dotcom-Blase online â der denkbar schlechteste Zeitpunkt. Das Unternehmen ging unter, und wir mussten uns neu orientieren. Dabei haben wir erkannt, dass es smartere, schlankere GeschĂ€ftsmodelle gibt, die in Deutschland kaum bekannt waren. Wir wollten das Ă€ndern und begannen, Workshops zu geben. Irgendwann stieĂen wir auf den Begriff "Solopreneur", der in den USA aufkam. Wir fanden: Das trifft es perfekt! So wurden wir die ersten, die diesen Begriff im deutschsprachigen Raum etablierten.
Was genau zeichnet einen Solopreneur aus? Und wie unterscheidet er sich von klassischen SelbststĂ€ndigen oder Start-up-GrĂŒndern?
Der zentrale Unterschied ist die Organisation. Klassische SelbststĂ€ndige denken oft in festen Strukturen: ein BĂŒro, Mitarbeiter, Dienstwagen. Start-ups setzen auf schnelles Wachstum mit Investoren. Solopreneure dagegen bauen ein Business, das bewusst schlank bleibt. Sie nutzen digitale Tools, um Prozesse zu automatisieren und effizienter zu arbeiten, ohne groĂe Teams zu benötigen. Dabei geht es nicht darum, nur alleine zu arbeiten, sondern eine smarte Struktur zu schaffen, die maximale FlexibilitĂ€t ermöglicht.
Hat sich das Konzept des Solopreneurships im Laufe der Zeit verÀndert?
Ja, enorm! In den letzten 20 Jahren hat sich die digitale Infrastruktur massiv weiterentwickelt. Vor zehn Jahren waren viele Tools weniger leistungsfĂ€hig. Heute kannst du mit Cloud-Technologien, KI und Automatisierung dein Unternehmen viel effizienter gestalten. Die gröĂte VerĂ€nderung kam aber mit Corona: Plötzlich arbeiteten alle von zu Hause aus, was die Akzeptanz fĂŒr digitale Arbeitsweisen enorm beschleunigt hat.
Welche Herausforderungen siehst du fĂŒr angehende Solopreneure?
Die gröĂte HĂŒrde ist oft die eigene IdentitĂ€t: Viele wissen nicht genau, welche Rolle sie eigentlich ĂŒbernehmen wollen. Bist du ein Experte, der Wissen vermittelt? Ein Dienstleister, der eine konkrete Leistung anbietet? Ein Maker, der eigene Produkte verkauft? Oder eine Mischung aus mehreren? Es geht darum, sich bewusst zu machen, was man wirklich tun will â und das eigene GeschĂ€ftsmodell darauf abzustimmen.
Was braucht ein nachhaltiges Solopreneur-GeschÀft?
Es braucht drei Dinge: Erstens eine klare Vorstellung davon, wo du in Zukunft sein willst â dein "Landeplatz". Zweitens ein GeschĂ€ftsmodell, das auf dieser Vorstellung aufbaut. Drittens eine smarte Struktur mit skalierbaren Produkten und Dienstleistungen. Viele begehen den Fehler, sich in unzĂ€hligen digitalen Tools oder Social-Media-Strategien zu verlieren, ohne ein klares Kernangebot zu haben. Erfolgreiche Solopreneure konzentrieren sich auf das Wesentliche und bauen gezielt ihre Reputation auf.
Welche Rolle spielt die Preisgestaltung?
Eine sehr entscheidende! Viele machen den Fehler, ihre Leistungen zu billig anzubieten oder nur nach Stunden abzurechnen. Solopreneure sollten stattdessen auf hochwertige, skalierbare Produkte setzen. Ein E-Book fĂŒr 5 Euro wird dich nicht reich machen, aber ein gut strukturiertes Coaching-Programm oder eine zertifizierte Weiterbildung können sehr wohl hohe Preise rechtfertigen. Entscheidend ist dabei auch die Produktgattung: Ein Buch hat eine natĂŒrliche Preisgrenze, wĂ€hrend ein exklusives Training ein Vielfaches kosten kann.
Gibt es eine Empfehlung, wie man sein Solopreneurship weiterentwickeln kann?
Ja, indem man strategisch plant! Wir haben mit der "Produkttreppe" ein Modell entwickelt, das hilft, ein GeschĂ€ftsmodell systematisch aufzubauen: von kostenlosen Einstiegsangeboten ĂŒber niedrigpreisige Produkte bis hin zu hochpreisigen Premium-Angeboten. Viele haben nur ein Produkt und wundern sich, warum sie nicht wachsen. Wer seine Angebote klug aufbaut, kann Kunden gezielt durch die verschiedenen Stufen der Treppe fĂŒhren und so langfristig erfolgreich sein.
Zum Abschluss: Was ist dein wichtigster Tipp fĂŒr Solopreneure?
Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen, und konzentriere dich auf dein eigenes, smartes Konzept! Sei dir darĂŒber im Klaren, was du wirklich willst und welche Rolle du einnimmst. Solopreneurship ist keine Ideologie, sondern eine bewusste Entscheidung fĂŒr ein effizientes, unabhĂ€ngiges Arbeiten.