Wie du mit Videos und gutem Ton deine Expertise sichtbar machst
Ob im Homeoffice, unterwegs oder auf LinkedIn: Wer sich professionell präsentieren will, kommt an Video- und Audio-Set-ups kaum vorbei. Technikmentor Thomas Hanke erklärt im Gespräch, worauf es dabei wirklich ankommt – und warum weniger oft mehr ist.
Thomas, du hast einen spannenden Weg hinter dir: vom Projektmanager über Musiker bis hin zum Technikmentor. Wie kam es dazu?
Das war ein echter Corona-Karrierewechsel. Ich war vorher als Projektmanager in einem Planungsbüro tätig, zuständig für Umbauprojekte, neue Arbeitswelten, Change Management. Dann kam die Kurzarbeit. Ich habe die Zeit genutzt und eine Ausbildung zum Business Coach gemacht. Der Wechsel von 100 Prozent Präsenz auf 100 Prozent online war für viele Dozent:innen eine Herausforderung. Das war der Moment, in dem ich dachte: Da kann ich helfen.
Und wie kam die Technik-Komponente dazu?
Schon in meinen Bandzeiten war ich immer der Technikbeauftragte. Licht, Ton, später auch Video. Das hat sich dann logisch verbunden mit meinem Beruf und dem Bedarf während der Pandemie. Ich habe mich selbstständig gemacht, reingefühlt in den Markt und schnell gemerkt: Da ist ein riesiger Bedarf an Unterstützung.
Heute berätst du Solopreneure bei ihrem Video-Setup. Wo sollte man starten, wenn man keine Ahnung von Technik hat?
Die erste Frage sollte immer sein: Was ist dein Ziel? Möchtest du einfach an Meetings teilnehmen, Videos für LinkedIn oder YouTube machen oder Kundengespräche führen? Davon hängt alles ab. Ich vergleiche das gern mit dem Auto, das man beim Kunden vorfährt. Man muss wissen, welches "Gefährt" man selbst sein möchte.
Was brauche ich denn unbedingt, um professionell zu wirken?
Wirklich jeder Laptop hat heute eine Kamera und ein Mikro. Für den Einstieg reicht das. Aber: Der Ton ist oft der Knackpunkt. Schlechter Ton führt dazu, dass Leute abspringen. Deshalb ist ein gutes Mikro ein Gamechanger. Schon ein Ansteckmikrofon für 50 Euro kann einen riesigen Unterschied machen.
Und beim Bild?
Das Handy reicht für den Anfang absolut aus. Es liefert heute erstaunlich gute Qualität. Viel wichtiger ist das Setting: Licht von vorn, Kamera auf Augenhöhe, keine Nasenhaar-Perspektive. Und: Der Hintergrund sollte dich unterstützen, nicht ablenken. Also bitte keine wilden Bücherregale oder Gamingstühle.
Was ist mit Greenscreens?
Ich bin kein Fan. Die Technik ist aufwändig, die Fehlerquellen hoch. Selbst Nachrichtensender tun sich da manchmal schwer. Ein echter, aufgeräumter Hintergrund wirkt authentischer und ist einfacher umzusetzen.
Und für unterwegs? Was brauche ich für ein mobiles Setup?
Ein Smartphone, ein gutes Lavalier- oder Funkmikro und eventuell eine kleine LED-Leuchte. Viel mehr braucht es nicht. Wer eine DSLR hat, kann die mitnehmen und über ein lichtstarkes Objektiv den Hintergrund unscharf machen – das kaschiert einiges.
Was sind häufige Fehler, die du bei Setups siehst?
Ganz klassisch: Kamera von unten, schlechtes Licht von oben, Ton über das eingebaute Laptop-Mikro. Und im Hintergrund Unordnung oder Ablenkung. Es geht nicht darum, ein Studio zu bauen, sondern um ein stimmiges Bild, das deine Expertise unterstreicht.
Welche Rolle spielt Kleidung oder Wiedererkennung im Videobild?
Eine große. Ich trage oft denselben grünen Pulli. Nicht zufällig. Das schafft Wiedererkennung. Wer mag, kann mit Farben, Accessoires oder Licht spielen. Auch ein Detail im Hintergrund kann als Einstieg für Gespräche dienen. Ein Fahrrad, ein Taucherhelm – Hauptsache, es passt zu dir.
Wie wird sich Video für Solopreneure in den nächsten Jahren entwickeln?
KI-Avatare werden kommen, klar. Aber für Personenmarken und Solopreneure bleibt Authentizität entscheidend. Video lebt von Persönlichkeit. Tools zur Nachbearbeitung, KI beim Schnitt oder bei Untertiteln werden helfen, die Einstiegshürden weiter zu senken.
Ein letzter Tipp für alle, die sich (noch) nicht trauen?
Mach eine 30-Tage-Challenge. Jeden Tag eine kurze Sprachnachricht aufnehmen und anhören. Oder ein kurzes Video. Es wird leichter. Und irgendwann klingt deine Stimme nicht mehr fremd und die Kamera wird dein Freund.