Finanzielle Freiheit beginnt im Kopf
Wie Selbstständige den „Freipunkt“ finden und sich finanziell unabhängig aufstellen können, erklärt Ehrenfried Conta Gromberg im Gespräch mit mir. Es geht um mehr als nur Geld: Es geht um Haltung, Planung und psychologische Klarheit.
Was bedeutet finanzielle Freiheit für dich persönlich?
Wir wollten den Begriff der „finanziellen Freiheit“ entstauben. Deswegen haben wir den "Freipunkt" eingeführt – ein Begriff, den es vorher nicht gab. Finanzielle Freiheit klingt oft wie ein Marketing-Versprechen, das mit Millionärsakademien und Hochglanzbildern von Luxusautos verbunden ist. Aber was bedeutet das wirklich für uns Solopreneure?
Also ist der Freipunkt eine Alternative zur klassischen Rente?
Genau. Die gesetzliche Rente ist ein System, das auf Vertrauen basiert – du zahlst ein, bekommst später Geld. Aber viele Selbstständige verlassen sich nicht mehr darauf. Der Freipunkt ist dagegen ein selbst gesetzter Zeitpunkt, ab dem du dein Leben ohne aktive Einkommen weiterfinanzieren kannst. Das kann mit 60, 70 oder früher sein. Wichtig ist: Du hast das Vermögen dafür selbst aufgebaut.
Wie finde ich heraus, wann mein Freipunkt ist?
Zuerst: Du brauchst eine Vermögensbilanz – und zwar ganzheitlich, beruflich wie privat. Dann machst du eine Lebensvorausschau: Wie lange willst du leben? Wie viel brauchst du pro Monat? Mit diesen Daten kannst du dein Zielkapital berechnen. Viele unterschätzen das massiv.
Was rätst du jemandem, der keine Vorstellung davon hat, wie viel er später brauchen wird?
Rechne es dir einfach mal aus: Wenn du 5.000 Euro im Monat brauchst, sind das 60.000 im Jahr. Auf 20 Jahre gerechnet sind das 1,2 Millionen Euro. Viele denken bei „Millionär“ an Luxus, dabei ist es schlicht eine solide Altersvorsorge.
Ist das nicht auch eine Frage der Lebenshaltung?
Total. Es geht nicht darum, ob du dir ein Steak für 50 Euro leisten kannst. Sondern: Wie willst du leben? Und was brauchst du dafür? Es gibt eine Bewegung namens Frugalismus, die sehr bewusst mit Geld umgeht, hohe Sparquoten hat und auf Konsum verzichtet. Da kann man viel lernen.
Was sind typische Denkfehler von Selbstständigen beim Thema Geld?
Viele leben von der Hand in den Mund. Sie wissen, was auf dem Konto ist, aber nicht, was sie wirklich haben oder brauchen. Haushaltsbuch? Fehlanzeige. Testament? Fehlanzeige. Rentenbescheid? Irgendwo in der Schublade. Der Freipunkt bringt Struktur rein. Es ist wie ein Businessplan für dein Leben.
Wie kann ich konkret starten?
Mach dir eine Liste: Was habe ich heute an Vermögen? Was brauche ich später? Dann berechne die Lücke. Und wichtig: Lass dein Vermögen leben. Eine Bilanz ist keine Momentaufnahme, sondern ein laufendes System. Prüfe regelmäßig, ob du auf Kurs bist.
Wie schätzt du den psychologischen Effekt ein, wenn ich meinen Freipunkt kenne?
Enorm. Du schläfst besser, triffst klarere Entscheidungen, kannst Kunden ablehnen, die nicht passen. Du arbeitest mit mehr Gelassenheit. Der Freipunkt ist kein Ferrari, sondern innere Freiheit.
Ihr sprecht im Buch auch von 16 Geldtypen. Welche sind besonders spannend?
Etwa der „Locheimer“, der überall kleine Abflüsse hat. Oder der „Spekulant“, der dauernd auf das schnelle Geld hofft. Zudem gibt es konstruktive Typen wie den „Flow-Tracker“ oder den „Anleger“, die bewusst wirtschaften. Es geht darum, sich selbst zu erkennen.
Was bietest du an, um beim Freipunkt zu helfen?
Wir haben eine eigene Freipunkt-Gruppe, geleitet von Frank-Michael Rommert. Außerdem Tools wie den Smart Business Kalkulator. Und natürlich unser Newsletter und LinkedIn für alle, die in Kontakt bleiben wollen.